„mehr licht!“ - die Facetten der Künstlerin Angela Schilling 
von Colmar Schulte-Goltz,

In: Katalog Angela Schilling mein Herz schlägt,

Hattingen und Bochum 2008,

S. 4 - 11. 

Angela Schilling ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit einem schillernden Werk, wie schon Professor Timm Ulrichs1, dessen Meisterschülerin sie war, in seiner Empfehlung für das Fulbright-Stipendium zusammenfasste. Die besondere Wertschätzung der 1970 in Bochum geborenen Künstlerin innerhalb der jungen Gegenwartskunst zeigt sich unter anderem in den ihr zuerkannten Stipendien des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes für die Cité des Arts in Paris oder das begehrte Fulbright-Stipendium, das sie für ein Studienjahr in die USA führte. 
Die Künstlerin, die über ein Jahr für ihre Museumsausstellung in New Mexico, Bochum und Münster gearbeitet hat, beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Körper, der Körperwahrnehmung und vor allem mit den Geschlechtern. Ihre Arbeiten waren schon in der Kunsthalle Recklinghausen, dem Museum Bergkamen, im Museum Abtei Liesborn des Kreises Warendorf und in weitern Einzel -und Themenausstellungen in Deutschland und den USA zu sehen.

Angela Schilling stellt an sich und ihre Arbeiten außerordentlich hohe Ansprüche und lässt sich schwer auf eine Kunstrichtung oder ein bestimmtes Medium reduzieren. Mit technischer Vielseitigkeit arbeitet sie als Bildhauerin, inszeniert elektrische oder computergesteuerte Installationen, arbeitet daneben aber auch mit Fotografie, seltener nutzt sie die Malerei. Mit der Vielfalt ihrer Motive sticht Angela Schilling aus den Künstler/innen ihrer Generation heraus. Fast alle ihre Arbeiten zeigen einen pointierten erzählerischen Ansatz und sind zeichenhaft auf einen komplexeren, abstrakteren Zusammenhang bezogen, weshalb man Angela Schilling wohl am besten als Konzeptkünstlerin bezeichnen kann. Auch sie selbst ist mit der eigenen Person und dem eigenen Körper Werkzeug ihrer künstlerischen Tätigkeit, wie Andreas Köpnik, Professor für neue Medien an der Kunstakademie Münster2, schreibt. Inhaltlich kreisen ihre Arbeiten häufig um das eigene Sein, die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Identität, die sie durch Maskeraden oder Persiflagen fremder Identitäten schillernd verfremdet. Die Künstlerin ist dem Weiblichen subversiv auf der Spur, wenn sie den Frauen-Körper zum Hauptbezugspunkt ihrer sprechenden Objekte macht. Zwischen Lutscher, Trophäe oder Boxsack alternieren die äußeren Bezugspunkte ihres oft provozierenden Werks. Schilling hinterfragt die Grenzen der Betrachter/innen, ihre moralischen Vorstellungen und gesellschaftlichen Konventionen. Die Arbeit ist geprägt von versteckten Hinweisen und bewegt sich mit doppeldeutigem Charme anspielungsreich um Themen wie „Sex and Crime“.  

Angela Schillings Objekte entstehen in Form langer Entwicklungsreihen. Ihre anfänglichen Inspirationen, die sie häufig in Skizzen oder Modellen festhält, werden in immer neue Techniken umgesetzt. Viele Arbeiten sind ästhetisch mit der Wirkung eines bestimmten Materials verbunden. Gleich ob Stahl, Leder oder Kunststoff - immer sucht die Künstlerin nach dem perfekten Material für ihre Arbeit, auch wenn dieses entsprechend teuer ist. Mit ungeheurer Neugierde und Offenheit nimmt sie alle nun kommenden Herausforderungen auf sich, um ihr Ziel zu erreichen. Angela Schilling hat sich als Künstlerin schon längst dem lebenslangen Lernen verschrieben, das gegenwärtig als gesellschaftliche Debatte und Anforderung in aller Munde ist. Für ein neues Kunstwerk macht sie zum Beispiel einen Schweißer-Lehrgang, arbeitet sich in komplexe Abformtechniken oder Näharbeiten ein. Die junge Künstlerin macht das, was sie sich vorgestellt hat, hundertprozentig und mit großem Perfektionismus, der keinen Abstrich in der von ihr projektierten Ästhetik oder Qualität hinnimmt - auch wenn es an ihre körperlichen Grenzen geht. Gipsabgüsse mit winzigen Stichen in Leder einzunähen oder den computergesteuerten Ablauf eines Objektes immer wieder neu programmieren zu müssen: Sie ist eine Selbstausbeuterin. Nur mit ihrer großen Disziplin erreicht sie ihr Ziel: ein künstlerisches Werk voll Innovation und Individualität mit großer authentischer Wirkung. Eine treffende Einschätzung ihrer Kunst stammt vom Philosophen Peter Indefrey: „Ihre Kunst ist cool und intellektuell, spricht nicht das Gefühl, sondern das Denken an. Das zeigt, wie die Ansichten der Künstlerin, wie sie über Dinge denkt. Sie macht sichtbar, was wir kennen, uns seiner aber nicht bewusst sind. Was sie denkt, ist etwas, was wir sofort als richtig erkennen, ohne zuvor daran gedacht zu haben. Ihre Arbeiten sind der komprimierte Ausdruck von Einsichten. Obwohl ihre Kunstwerke eine erzählerische Qualität haben, sind sie effektiver als Worte, weil sie uns sehen machen, was sie gesehen hat, und uns verstehen lässt, was sie in einer direkten, abbildenden Form entdeckt hat.“ 3  

Angela Schillings Arbeiten fordern die Aufmerksamkeit des Publikums ein. Selbst unauffällige Requisiten des Alltags, wie eine einfache Tischlampe, werden in ihrer Hand zu poetischen, sinnlichen Objekten. Bei einer handelsüblichen Schreibtischlampe ersetzte sie die Lichtquelle durch einen Lautsprecher. Wer nun versucht, die Lampe zu betätigen, wird angesprochen. In eindringlichem Tonfall bittet oder besser gebietet die Lampe, was zu tun ist: das man „nicht wegschaut, hier bleibt, die Augen geöffnet hält und sie weiter anschaut.“ Angela Schilling hat sich für diese Versuchsanordnung an einem Leitfaden für die Notfallmedizin und im Speziellen den Bewusstseinsverlust orientiert. Das kleine Objekt ist damit eine Art akustisches, wie visuelles Geleitwort zu einer Werkschau mit Arbeiten der Künstlerin Angela Schilling. Es sind diese einfachen Eingriffe in die Welt der Wirklichkeit, die einfachen Ideen und Objekte, die 2004 der New Yorker Photograph Kevin Cooley4 an ihren Arbeiten besonders hervorgehoben hat.  

Mehr als nur ein Gesicht -

Angela Schilling und das Porträt als Mittel der Kunst

Mit der ersten Einzelausstellung „Mein Herz schlägt“ in einem Museum zeigt die Künstlerin erstmals eine Reihe von großformatigen Zinkplatten mit Metallätzung. In den hochformatigen Tableaus „Zur Person“ inszeniert sich Angela Schilling selbst in „Sieben Leben“ als Geschäftsfrau, uneheliches, gefallenes Mädchen, als Starlet, als Volksmusiksängerin mit ihrer „Zwillingsschwester“ oder Stewardess in den unterschiedlichsten weiblichen Rollen. Immer ist das Körperbild der erfundenen Biografie angemessen präsentiert und entlarvt gerade darin die Aktualität des aus der Antike stammenden Diktums vom „Vorurteil im Leibe“. In den Gesichtern und dem jeweiligen Auftreten, in Kleidung und Accessoires spiegelt sich die Faszination der Künstlerin für die Physiognomie. Die geistesgeschichtlichen Fundamente gehen auf die Zeit des Theophrast, der Pseudoaristotelischen Schriften genauso zurück, wie auf die Überlegungen des antiken Arztes Galen und die Lehre von den Temperamenten.5 Vor allem seit der Zeit der Renaissance und des Barock haben die Künstler/innen sich immer wieder mit dem Themenfeld von körperlich-äußerlichen Erwartungshaltungen an das Individuum beschäftigt.6 Die Gattung des Porträts lässt den Künstler/innen an sich scheinbar keinen Spielraum. Die Ästhetik hat zumeist der Zeit und dem sozialen Stand der Porträtierten angemessen zu sein, es sind vor allem Ähnlichkeit und technische Präzision gefordert. In einem Porträt künstlerische Innovation oder Individualität zu zeigen, bleibt häufig ein hohes Ziel. Angela Schilling hat in ihrer Serie „Zur Person“ wie eine Schauspielerin allegorisch die Welt anderer Individualitäten und Lebenswelten vereinnahmt. Wie bei der berühmten amerikanischen Fotografin Cindy Sherman repräsentieren Schillings erfunden Figuren verschiedene Ikonografien der Gegenwart und bedienen dabei indirekt männliche Phantasien von der treu sorgenden Mutterrolle über die strenge Führungskraft bis zum Starlet.7 Die Künstlerin reflektiert hier das Frauenbild einer männlich dominierten Gesellschaft, stellt Schönheit als gemachte Schönheit bloß.8 Angela Schilling reizt das Thema Porträt bis zum Extrem, bis zum Verschwinden der Identität, die doch eigentlich der Anlass für ein Porträt ist, wenn sie Angela S. aus D. auftreten lässt. Von A. S., die seit 2000 in Kassel vermisst ist, hat sich nur der Umriss eines Körpers erhalten, der wie im Genre des Beweisfotos vom Tatort mehr Fragen aufwirft, als ein traditionelles Porträt beantworten könnte. Der australische Autor Rod Jones hat Angela Schilling im Jahr 2004 einmal die Mata Hari des zeitgenössischen Kunstbetriebes genannt.9


 
Häufig inszeniert Angela Schilling den weiblichen Körper in grenzwertigen Zuständen. Typisch dafür ist ihre Arbeit „Doppeldeckung“ - ein schwarzer Boxsack mit eingearbeiteten Brüsten. Im Ausstellungsraum inszeniert, stellt Schilling den Betrachtern mit ihrem Objekt die Frage: Wer traut sich ein Kunstwerk zu schlagen? Noch dazu eines, das die Verletzlichkeit des schutzlosen weiblichen Körpers als eigene Form der Deckung erkennt. Diese Arbeit ist vielleicht den extremen Konzeptarbeiten ihres früheren Lehrers an der Kunstakademie Münster, Professor Timm Ulrichs, besonders nahe. Ulrichs hat in einem ähnlichen Ausschlussverfahren den Resonanzkörper einer Gitarre mit Beton ausgegossen, die Gitarre zerstört und zu einem einzigartig ironischen Kunstwerk mit dem sehr sprechenden Titel „ohne Resonanz“ gemacht. In Bezug auf den eigenen Körper hat Ulrichs immer wieder sein eigenes Ableben zum Thema gemacht. Seit 1970 trägt er auf dem rechten Augenlied eine Tätowierung mit den Worten „The End“. „Um zu demonstrieren, dass alles, was in mein Blick-Feld fällt oder mir unter die Augen kommt, Film ist, beschrifte ich (mittels Tätowierung, d. Verf.) meine Augenlid-Vorhänge...mit dem Wort ‚End'”: Schließen sie sich, ist auch mein Augen-Kino beendet... .“
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Im Werk von Angela Schilling spielt das Selbstporträt eine besondere Rolle. In der Vergangenheit hat sie bereits eine Reihe von fünfzig Selbstbildern geschaffen. Die Unikate malte sie dabei nicht auf einen herkömmlichen Träger wie Papier oder Leinwand, sondern auf Luftballons. Eine Serie als Kommentar auf die Kunstwelt: Denn dem, was heute groß und wichtig erscheint, kann morgen sprichwörtlich die Luft ausgehen. 

Eine weitere spektakuläre Arbeit, gut durchdacht, ist in diesem Zusammenhang das Selbstporträt von 2004. In einer Vitrine hat Angela Schilling einen Boxhandschuh platziert, der sich im Takt ihres Herzschlages mit 76 Schlägen pro Minute kontrahiert: Die Analogie des gekrümmten Boxhandschuhs mit seinem roten Leder zum Herzen ist sofort wahrnehmbar und macht das Objekt zu einer zeitgemäßen Allegorie auf pulsierendes Leben. 

MännerTräume und FrauenBilder oder umgekehrt?

Eine Leckerei der besonderen Art ist die Arbeit "La Douce Dangereuse" oder "Blut geleckt“ von 2007. Schilling inszeniert darin einen weiblichen Torso, der sich in einem typisch weiblichen Farbton (pink) präsentiert. Der kleine Körper ist niedlich und süßlich wie ein Lutscher anzuschauen. Aber diese Süße ist gefährlich, wer sich daran machen würde, kann sich nur in die eigene Zunge schneiden, schließlich hat die vermeintliche Süßigkeit ein Messer als Griff. Statt einer Titelplakette hat Angela Schilling in den Sockel zur Arbeit noch ein weiteres, selbst gegossenes und graviertes Messer eingelassen, auf dem sich in Schönschrift von zwei Seiten der Titel lesen lässt. In der subversiven, hintergründigen Ironie steht diese Arbeit in Verbindung zu den "Hausfrauenträumen" von 2002. Beim Öffnen der Holzdose erklingt eine Spieluhr. An die Stelle einer tanzenden Ballerina allerdings hat Schilling ein Kartoffelmesserchen eingefügt, das sich nun zum Klang der Melodie zwischen einigen Kartoffeln wiegt. Hier treffen Klischees von Rollen und Lebensentwürfen besonders zugespitzt auf einander.  

Eine neue, aber schon öffentlich mit sehr viel Resonanz ausgestellte Arbeit ist die Skulptur "Girl-Soldier" von 2007. Die Fiberglasfigur in erstaunlicher Erwachsenengröße zeigt ein kindlich proportioniertes Mädchen. Sehr aufrecht steht das Kind breitbeinig im Röckchen vor den Betrachtern und scheint sein Maschinengewehr präsentieren zu wollen. Das niedliche Kindchenschema, die damit zu unterstellende noch nicht voll ausgebildete Reife des Verstandes und die Gefahr einer echten Waffe lassen "Girl-Soldier" zu einem unkalkulierbaren Risiko werden. Im Aquarium stehend scheint die „Soldatin“ zum einen isoliert und festgesetzt, zum anderen verstärkt sich der Eindruck ihrer besonderen Fähigkeiten. In der unauflösbaren Ambivalenz steht diese Arbeit in der Tradition von Prof. Katharina Fritsch, bei der Angela Schilling seit 2006 an der Kunstakademie Münster studiert. Die früheren übergroßen Figuren von Katharina Fritsch, die Ratten, der Doktor oder der Mönch scheinen in der Kindersoldatin eine würdige Fortsetzung zu erfahren. Anders als Fritsch, bei der die autonome Wirkung der Figuren betont wird, inszeniert Schilling ihre Kindersoldatin durch den Kontext des Aquariums und erreicht gleichfalls eine authentische Autonomisierung. In der ersten Präsentation des Objektes in den USA zeigte Angela Schilling die Kindersoldatin als Zentralstück eines pedalbetriebenen Karussells. Dieses Spielgerät ist durch die kontinuierliche Kreisbewegung, bei der vieles nur verschwommen wahrgenommen werden kann in besonderer Weise ein Mittel, sich das Bewusstsein selbst bewusst zu machen. Die Kindersoldatin scheint eine kritische Rezeption der Welt anzumahnen.     

Das Projekt „The Bull Rises“ 

Das aufwändigste und zentrale Objekt der Ausstellung im Stadtmuseum Hattingen ist die große Installation „Rising Bull“. Es ist die künstlerische Variante eines Rodeobullen, wie er aus den Vereinigten Staaten bekannt ist. Angela Schilling hat sich während ihres Aufenthalt in den USA und ihrer Arbeit in New Mexico intensiv mit der amerikanischen Kultur beschäftigt. Was sie besonders fasziniert, ist der amerikanische Mythos der Cowboys und die mit ihnen verbundene Motivwelt, die sich seit rund 150 Jahren nicht geändert hat. Ein Kern der Cowboywelt ist „das-sich-beweisen-müssen“. Vor allem beim Rodeo, wenn der Cowboy gegen die Urgewalt eines Stieres antritt, um ihn zu bezwingen. Der echte Bulle ist mit der Zeit einem synthetischen Produkt gewichen. Heute können sich selbst Städter dem „Vergnügen“ aussetzen, sich auf dem Rücken eines Rodeobullen zu halten, um sich damit als echter Kerl zu beweisen. Sie findet Gefallen an der Parodie der echten Herausforderung in der Natur durch ihre Transmission in das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. Der Austausch des Tieres durch eine Maschine erscheint ihr als besonders surrealer, ironischer Akt.

In Hattingen verweist der lebensgroße Körper eines Rodeobullen auf die echten Rodeos, wird die ohnehin artifizielle Welt des Rodeoreitens im Museumsumfeld in eine künstliche Vorstellung verwandelt. Schilling lässt ihren Rodeobullen im Museum mittels einer von ihr entwickelten Steuerung in einer von ihr festgelegten Choreographie lebendig werden. Die Realisation des gewaltigen Objektes "Rising Bull" aus Stahl, Fiberglas und Polyester hat die Künstlerin als großes Projekt mit Fachleuten für die einzelnen Gewerke entwickelt. Nicht nur der fertige Bulle, sondern der Weg dorthin ist das Ziel. So stellte sich die Künstlerin im Sommer 2007, also ein Jahr vor der Ausstellung in Hattingen, mit einem Cowboyhut, Jeans und Stiefeln stilecht ausgestattet, vor die Hochschule Bochum, die Bochum University of Applied Sciences. Um die Aufmerksamkeit der akademischen Öffentlichkeit (sprich der Studenten/innen) nicht nur auf ihre Person, sondern auf ihr Projekt zu lenken, hatte sie ein großes Kunstwerk dabei, das wie ein Werbe-Display das Motiv des Rodeoreitens als Silhouette zeigte.11 Die Werbeästhetik des Objekts "Wanted: Engineer" ist durch die Glühbirnenreihe am unteren Rand besonders betont. Während der Aktion verteilte die Künstlerin Handzettel auf der Suche nach technischen Beratern für ihr Projekt. Den erhofften technischen Beistand fand sie schließlich in dem von Prof. Dr.-Ing. Peter Brychta geleiteten Labor für Systemtechnik, Antriebstechnik und Leistungselektronik der Hochschule Bochum, der gemeinsam mit Detlef Bieber vom Fachbereich Vermessung und Geoinformatik die Konstruktionszeichnung des „The Bull Rises“ anfertigte.

Der Bulle selbst entstand nach einem kleinen Tonmodell der Künstlerin in Münster. In der von Klaus Sandmann geleiteten und auf bildhauerische Techniken spezialisierten Werkstatt der Kunstakademie wurde die "Karrosserie" passend zur Bochumer „Mechanik“ vorbereitet. Mit Metall, Bauschaum und Ton fertigte Angela Schilling eine große Originalplastik an, die als Modell für die endgültige Form diente. Diese Negativform wurde in Silikon und Polyesterform abgenommen, anschließend mit schwarzem Polyester auslaminiert und mit Fiberglasplatten verstärkt, damit sie bei der Größe nicht reißt. Dieser Lebensgrosse Polyester-Rodeobulle wurde von der Kunstakademie Münster zu den Ingenieuren der Fachhochschule Bochum transportiert. Zwei Studenten der Ingenieurstudenten der Bochumer Hochschule, Dennis Wsiek und Arash Shayan, nahmen die Herausforderung an, den Bullen in die gewünschte Bewegung zu bringen. Emmanuel Owuzu hat bereits über die Programmierung der Motoren erfolgreich eine Diplomarbeit abgeschlossen und weißt die beiden ein. Für Angela Schilling war es faszinierend, wie die Ingenieure die mit jedem neuen Teil eintretenden neuen Probleme zu lösen versuchten. Besondere Schwierigkeiten ergaben sich im erforderlichen Drehpunkt und der Schwerpunktverschiebung der Schwungmasse bei der Bockbewegung, die Drehmoment, Hebelwirkung und die Achsenverschiebung des Tierleibes beeinflussen, die Prof. Dr.-Ing. Peter Brychta und der Dipl.-Ing. Friedhelm Putz zu lösen suchten.  

Körper und Geschlecht sind die Bezugsgrößen in Schillings Arbeit „Cow-Girl“. Die Abgüsse nach einem Paar weiblicher Arme hat sie von Hand in schwarzes Leder eingenäht und in einer Assemblage mit schwarzen Pompons von Cheerleadern vereint. Die im Winkel nach oben gereckten Arme wirken zusammen mit den Pompons wie die Trophäe eines Stieres. So begegnen sich zwei amerikanische Identitäten: die Kultur der Cheerleader, die nur die schmückenden, weiblichen Statisten der amerikanischen Sportarena sind und die Kultur der Cowboys, die ausschließlich auf den Mann bezogen ist. Das „Cowgirl“ wird zur Synthese, einem Hybrid amerikanischer Mythen und damit zu einer künstlerischen Utopie.  

„(…) Aber wir machen weiter! und wir werden unsere berühmten 6 Sekunden haben, in der wir eins werden mit etwas viel Stärkerem als wir sind kraftvoll wild und unberechenbar ! ... wie ein Stier .... wie Kunst... .“(Angela Schilling).12   
 
 
 

Colmar Schulte-Goltz, curator of the exhibition:
"more light!" - the facets of artist Angela Schilling

Angela Schilling is an unusual personality with a very sophisticated work, how already Professor Timm Ulrichs in his recommendation of the artist for the Fullbright scholarship summarized.# The grants and scholarships for the cité des arts in Paris or the important Fullbright - scholarship awarded to the artist (born 1970 in Bochum) - she spend an academic year in the USA - show up her special appreciation of the artist.

The work of Angela Schilling is often concerned with the body and the perception of the body and particularly with the sexes. During the past year she prepared her museum exhibition whilst working in New Mexico, Bochum and Münster. Works of Angela Schilling had been on show in the Kunsthalle Recklinghausen, in the museums of Bergkamen, the Abby Liesborn Museum, Kreis Warendorf, or in different solo or group exhibitions in Germany and the USA.

For herself and her artwork Angela Schilling requires accepts only highest standards. The artist can hardly be reduced only to an art trend or a certain medium. With a wide range of technical skills she works it as sculptress and produces electrical or computer-controlled installation works. In addition she is doing photography and more rarely expresses herself it in painting. With the variety of her motives Angela Schilling is an outstanding artist of her generation. Nearly every work of her shows a pointed story and is related to a more complex and abstract structures, for which Angela Schilling probably can be seen best as an concept artist. Even with her own body the artist herself is part of her artistic work, as Andreas Koepnik, professor for new media at the academy of arts at Münster, points it out.# Her work is often about life, about the perception of the own body and the own identity, which is being transformed by using costumes or masquerades to melt with new identities. The artist is working with the female sex in subversive power, whilst making the female body the main point of reference of her talking objects. Her often provocative work is characterized by objects related to lollipops, trophies or a box bag. Schilling analyzes the gaps of the viewers, their moral and social conventions. As her work is often about "Sex and Crime" the artworks make hidden references with ambiguous charm.

Angela Schillings objects take time to develop. Her initial inspirations, captured in a sketch or model ambitious converted into new techniques. Many works are aesthetically connected with the effect of a certain material. The artist is always looking for the perfect material to execute her work whether it is in steel, leather or plastic - even if this is very expensive. Open and curious to everything new she takes on all challenges, in order to achieve her goal. According to the debate of lifelong learning in German society today, Angela Schilling is practising since stating her career. For a new work of art she makes a welder training course, trains herself in complex casting techniques or sewing work for example. The young artist realizes what she imagined, hundred percent and with a lot of perfectionism, which does not accept reduction in the aesthetics or quality of her projects - even if it hurts physically. To sew plaster casts in to leather or to redefine a computer-program of an object again and again without any reservations. Only with her discipline she achieves an artistic work of innovation and individuality with authenticity. In his statement about her art, philosopher Peter Indefrey points out, that "This is cool, intellectual art. It does not speak to your feelings but to your thinking. It does not disclose how Angela Schilling feels about things but how she sees them and thinks about them. And what she sees is something we instantly recognize as being true but didn’t think of before. Her works are condensed expressions of insights. As such they have a verbal quality but they are much effective than words, because they make us see what she has seen and understand what she has discovered in a direct, perceptual way."#

Angela of Schillings works get the public’s attention. Ordinary pieces for every day, like a table-lamp being transformed into poetic objects. She replaced the light bulb of a vintage desk lamp with a speaker. Everyone, who operates the Lamp is asked in urgent intonation not to leave but to keep looking at the lamp." For this installation Angela Schilling followed the instructions from a manual for emergency medicine and in particular the loss of consciousness. The small object is something like an acoustic, jet visual preface to the show of Angela Schilling. Developing ideas from simple objects, Angela Schilling makes a few rudimentary changes and breaths new life into the ordinary, as the New York photographer Kevin Cooley stated in 2004.#

More than only a face - Angela Schilling and the portrait as means of the art

"mein Herz schlägt” (my heart strikes) is Angela Schilling’s first solo exhibition in a museum, she is showing a set of large sized zinc etching plates. In the big sized series “Zur Person” (about a person) Angela Schilling gives different portraits and images. She appears in most different female roles, in “seven lives” she poses as a business woman, a poor girl of unknown decent, a Starlet, as a singer of folk music together with her "twin sister" or a stewardess. For each invented biography Schilling chose an appropriate image and body-language, showing that the antique phrase of the "prejudice in the body" is still working. The artist’s fascination for physiognomy is reflected in the carefully adopted expressions of the faces, the clothes and accessories respectively. The history of science of physiognomy dates as far back as the time of Greek philosopher Theophrast, references are texts by the so called Pseudo - Aristoteles, followed by texts of antique physician Galen and the idea of the tempers.# Particularly since the renaissance and the baroque period artists dealt with topics of physical prejudice to the individual.# Portrait-painting in general only gives little influence apart from affirmation. As a portrait is recommended to show similarity with the sitter, executed with technical perfection, aesthetics often express social standing and captures a feeling of the time. Portraits often lack an appropriate expression of artistic innovation or individuality. In her series "Zur Person" Angela Schilling switches between different individualities and their environments in an allegorical way. According to the famous American photographer Cindy Sherman Angela Schilling is representing invented figures with different iconographic patterns and is working with male fantasies of female roles like the good mother, strong business woman or a starlet.# The artist is reflecting the male images of women and exposes beauty as made beauty.# In her work Angela Schilling always goes for extremes. With her figure “Angela S. from D.” she is representing the disappearing of identity, which is the starting point of any portrait. Instead of a portrait only the photograph of the outlines of the body, painted in chalk on the street like in the investigation of a crime, this seems to be the last documentation of the individuality of “A. S.”, which is said to be missed since 2000 in Kassel. This work leads to more questions as any traditional portrait. Related to the different roles, in 2004 the Australian author Rod Jones called Angela Schilling the Mata Hari of contemporary art.#
Illustration: Cindy Sherman: Untitled film quiet # 21. 1978. Gelatin silver print. Horace W. Goldsmith fund through Robert B. Menschel, The museum of modern Art, New York

Angela Schilling’s images of the female body are often extreme. A good example for her work is "Doppeldeckung” (double protection) - a black box bag completed with breasts. Installed in a public space, Schilling asks the viewers with: Who is able to hit a work of art? Even if the female body without clothes is a protection of its own. This work is perhaps, particularly close to the extreme concept work of her former teacher at the Münster academy of arts, professor Timm Ulrichs. He reached a similar effect in a work with the striking title “ohne Resonanz” (without resonance).  Ulrichs filled the resonance body of a guitar with concrete, destroyed the musical instrument and created a singularly ironical work of art which is without resonance for ever. Regarding his own body Ulrichs made his fading from life the content of several artworks again and again. Since 1970 he carries a tattoo with the words "The end” on his right lid. “To demonstrate that everything that I can see is my own movie, I mark (by means of a tattoo) my lids like curtains... with the word "end '": Even if they close, my eye cinema comes to an end..."#

Portraits of herself are special important in the work of Angela Schilling. In the past she already created a set of fifty self portraits. She did her paintings not on a conventional paper or canvas, but on balloons. This series is a comment on the world of art: everything which is important and big today will be out of without air and inspiration tomorrow.

In this line is a spectacular artwork, a self portrait of 2004. Angela Schiling placed a bowing-glove in a showcase, which contracts itself in rhythm of her own heart with 76 contractions per minute: She obvious paralleled the odd boxing-glove with its red leather with form and colour of a heart as an up-to-date allegory of pulsating life.

Male dreams and female image or vice versa?
The work "La Douce Dangereuse” (sweet dangerous taste) or “Blut geleckt” (licking blood) of 2007 is a special kind of sweetness. Schilling made a female Torso, which is presented in a typically female colour (pink). The small body is nice and sweet as a lollypop. But this sweet tends to be dangerously: everyone who would like lick will hurt himself and will cut his tongue, because the lollypop is placed on a blade. In the base to the work Angela Schilling set in another self made knife. Instead of a title plaque it is engraved with the titles visible from to sides. In that subversive irony stands this work in connection to the artwork "Hausfrauenträume” (housewife dreams) from 2002. When opening a music box a revolving knife is revealed, moving to the sound of music instead of a dancing Ballerina. The knife is dancing between some potatoes. In this work projects for life and roles in life meet each other.

A new work is the sculpture "Girl Soldier" from 2007, which was already shown in public exhibitions. The figure is made of glass fibre and shows a small girl, amazingly executed in an adult size. In an upright position, wearing a skirt the child stands in Front of the viewers, holding a machine gun in her arms. The nice image of a small girl, the consciousness of a child and the danger of a genuine weapon cause troubles. "Girl Soldier" has many risks. Positioned in an aquarium the "Girl Soldier" seems on one hand isolated and fixed, on the other hand the vessel strengthens the impression of the children’s special power. In unsolvable ambivalence this work is in the tradition of Professor Katharina Fritsch, with which Angela Schilling is studying at the Münster academy of arts since 2006. Katharina Fritsch’s early extra large figures of rats, the doctor or the monk seem to have a worthy continuation in the child soldier. In contrast to Fritsch, with which puts special emphasis in the autonomous effect of the figures, Schilling reaches the autonomous effect and authenticity whilst placing its child soldier by the context of the aquarium. In the first presentation of the object in the USA Angela Schilling showed the child soldier as central piece of a mechanical moved mery-go-round. This playing equipment is by the continuous circulation, a special way to make the self consciousness conscious, because of the movement things noticed different. The child soldier seems to demand a critical perception of the world.

”... become one with somewhat much stronger than we are - strong wild and incalculable! – the project "Rising Bull"

The central object of the exhibition in the Stadtmuseum Hattingen is the large installation "Rising Bull", which caused a lot of work. It is the artistic variant of a rodeo bull, as known from the United States of America. During her stay in the USA and her work in New Mexico, Angela Schilling was especially interested in American culture. She was particularly fascinated by the American myth of the cowboys and the motives connected with them, which did not changed in the last 150 years. A core of the cowboy world is "to furnish poof". Particularly with the rodeo, the cowboy has to start against the elemental power of a bull, in order to defeat it. The genuine bull disappeared to be replaced with a synthetic product. Today citizens able to expose themselves to the "pleasure" to remain sitting on bulls back to prove themselves thereby as a cool chap. Angela Schilling finds pleasure in transforming the genuine challenge in nature into the age of technical reproduction. The exchange of the animal by a machine appears to her as particularly surreal, ironical act.

The life-sized body of a rodeo bull in the Museum refers to the artificial world of rodeo challenges, transferring the bull in the interior of a museum is an artificial concept. Schillings bull is coming alive again due to her computer controlled choreography. "It is not about winning, when sitting on bulls back. It is about how long one can stand this incarnation of strength and muscles. It is quite clear, that one can not win this game and will go down, but once again we can rise and try again. This strong picture drives me on when creating my bull. Despite marvellous engineers and teachers at the academy’s workshop, who cooperated with me, despite the four stroke engines and my elementary mechanics: We analyze the movements and program the engines, but will not win against the genuine rearing up, bucking bull. But we continue! And we will have our famous 6 seconds, in which we become one with somewhat much stronger one than we are, strong wildly and unpredictable! ... like a bull.... like art... ".#

To realize the enormous object "Rising bull" from steel, glass fibre and polyester the artist developed a large project with specialists for the individual fields. Not only the finished bull, but the way there is the destination. Thus the artist in last summer (one year before the exhibition in Hattingen) placed herself, stylishly equipped in Jeans with a cowboy hat and boots, before the Bochum University of Applied Sciences. In order to direct the attention of the academic public (the students) not only on their person, but on their project, she had a large work of art with her, which looked like an advertising display with the motive of the rodeo bull as a silhouette.# The advertising aesthetics of the object "Wanted: Engineer "is particularly stressed by the bulb row at the lower edge. During the action the artist distributed handouts to search for technical advisors for her project. She finally found the hoped for technical assistance in the laboratory for system engineering, propulsion technology and power electronics of the Bochum University supervised by professor Dr. Dr.-Ing. Peter Brychta, who together with Detlef Bieber of the specialist area measurement and geo computer science made the construction design of the "Rising Bull".

The bull developed according to a small clay model of the artist in Münster at the academy of arts. In the specialized workshop for sculptor techniques of Klaus Sandmann the body was prepared suitably the mechanics. With metal, building foam and clay Angela Schilling made a large original object, which served as model for the final form. This negative form was removed in silicone and polyester, had been laminated with black polyester and strengthened with glass fibre, to last. This life-large polyester rodeo bull was transported from the Münster academy of arts to engineers of the Bochum University. Two engineer students of the Bochum University, Dennis and Arash accepted the challenge to transform the bull to the desired motion. Together with them worked Manuel Owuzu who did already his diploma over the programming of the engines. For Angela Schilling it was fascinating to see how the engineers tried to solve the new problems occurring with each new part. Special difficulties resulted in the necessary rotation and the shift of the rotor in the case of movement. Everything influences the movements of the animal body, but Professor Dr. Dr.-Ing. Peter Brychta and Dipl.-Ing. Friedhelm Putz tried to solve any problem.

Bodies and sex are the base factors in Schilling work "Cowgirl". Plaster casts after a pair of female arms are welted into black leather and arranged as an assemblage together with black pompons of Cheerleaders. The upward strained arms together with the pompons work like a trophy of a bull head. Thus two American identities meet: the culture of the Cheerleader, the nice female encouragers of the American sport arenas and the men’s only culture of the cowboys. "Cow girl" becomes the synthesis, a hybrid of American myths and thus an artistic utopia. "(...) however we continue! And we will have our famous 6 seconds, in which we become one with somewhat much stronger one than we are, strong wildly and unpredictable! ... like a bull.... like art... " (Angela Schilling)